August 01 2010 08:52:49
Kinderpornosperre mit Verzögerung

Kassel - Folgenden Artikel fanden wir heute auf den Internetseiten von Heise:

Die von der Bundesregierung initiierte Sperrung kinderpornografischer Internet-Seiten wird sich um etliche Monate verzögern. Die Deutsche Telekom machte im Nachrichtenmagazin Focus technische Hürden dafür verantwortlich. Telekom-Sprecher Ralf Sauerzapf sagte: "Wir müssen eine Software entwickeln, die es bis dato noch gar nicht gibt, und diese auf einigen hundert Servern testen und installieren." Die Entwicklung und Umsetzung dieses vollautomatischen Verfahrens koste mehr Zeit als gedacht. "Die Sperre kann daher voraussichtlich erst in einem halben Jahr aktiviert werden", so Sauerzapf. (dpa)

Wir meinen, dass es dringend an der Zeit ist, gegen Kinderpornografie ganz entschlossen vorzugehen und entsprechende Strafen zu verhängen. Wir sind jedoch sehr skeptisch, wenn dieses sensibele Thema dazu Missbraucht wird, um quasi durch die Hintertüre eine Zensur des Internets zu etablieren. Die von Frau Ursula von der Leyen initiierte Gesetzesinitiative ist lediglich dazu geeignet, den standart User zu sperren. Niemals jedoch wird es gelingen, die wirklichen Cracks der Zunft zu blocken.

Liebe Frau von der Leyen, wenn Sie schon Gesetze basteln müssen, die mit dem Internet und der Technik des Selbigen zusammenhängen, dann sei es Ihnen zukünftig dringend angeraten, erst eine entsprechende Bildungsmaßnahme zu besuchen und dann mit dem Arbeiten zu beginnen. Mein Großvater sagte immer: "erst Hirn einschalten, dann handeln." Mit dem jetzigen Gesetzesentwurf sind Missbrauch Tür und Tor geöffnet. Das BKA kann praktisch wahllos Seiten benennen, die dann gesperrt bzw. zensiert werden. Wenn nun auch noch eine Protokollierung der IP der User, die auf die vorgesehene Stopseite treffen vorgenommen wird und diese Protokolle dann auch noch ausgewertet werden, dann kann man zukünftig durch einfache Linksetzung z.B. in Emails User dazubringen ahnungslos eines völlig falschen Verdachts ausgesetzt zu werden.

Wir können deshalb jedem nur raten zukünftig sehr stark darauf zu achten, wessen DNS-Server er benutzt.

Abschließend möchten der Verein Nicht Abzocken e.V. nochmal deutlich darauf hinweisen, dass Kinderpornografie aus Sicht des Vereins mit großem Abstand das schändlichste ist und auf das Äußerste bestraft gehört. Nicht weniger schändlich ist es jedoch, wenn diese Taten dafür herhalten müssen, eine Zensur des Internets  schleichend unter das Volk zu bringen.

Kommentare
#1 | ThrasherHH am April 28 2009 09:02:00
Auch die aktuelle CT' Heft 10 ist lesenswert dazu, eine gewisse Zahl aufmerksamer Bürger wacht langsam auf. Dies ist eine Gratwanderung zwischen sinnvollen Maßnahmen und der Gefahr der Internetzensur. Gut das F-J Strauß nicht mehr aktiv in der Regierung agiert......
#2 | ThrasherHH am April 28 2009 11:36:45
Noch ein interessanter Link zum Thema, wundert euch nicht wenn nicht-abzocken zb in den Filterlisten des BKA steht weils jemanden gerade so in den Kram passte.

http://www.rettet-das-internet.de/kinderporno.htm
#3 | Mix241157 am April 29 2009 08:41:44
Na ja, nach den Anlaufschwierigkeiten bei der LKW-Maut
darf man da sicherlich auf "Ähnlichkeiten" bauenSmile
#4 | Mix241157 am April 29 2009 09:04:16
@ThrasherHH : Das sehen wir recht entspannt Wink
Dank der Hilfe div. Rechtsorgane in Hessen und NRW sind wir bereits seit:
"14 Tage nach der Vereinseintragung" bekannt.
Eine "Promo-Tour: Wir möchten uns gerne vorstellen"
war dadurch quasi überflüssigGrin
und führte uns häufig zu direkten Ansprechpartnern,
ohne lange telefonieren, mailen, faxen etc. zu müssen.
lollollol
Thx
Streng gemäss: Input-Output-System Pfft
unter Berücksichtigung der "Glashaustheorie"
#5 | Mix241157 am April 29 2009 09:47:10
Aber back to Topic:

Wenn also z.B. durch "personalisierte Links" auf "Sperr-Seiten"
"gelinkt" würde, steht der Hausbesuch an? (Echtzeit-Überwachung)
Ich versuche mir da mal so ein Szenario aus der "Abo-"Link"-Welt" vorzustellen und dem einschlägigen
Daten-Handel und entsprechenden Ge- und Missbrauch, der auch irgendwie rechtlich und "Reallife" darniederliegt, wenn
nicht gerade Promi-Daten betroffen sind.
#6 | ThrasherHH am April 30 2009 09:09:17
Naja die Kinke ist der Schaden wenn eine IP erstmal in den Listen steckt. Das BKA tippt wie wohlmöglich ungeprüft ein, alle angeschlossenen Provider ändern die DNS Tabellen. Da könnte auch mal Amazon oder Ebay plötzlich weg sein. Das zurückdrehen dauert schonmal wegen der Kette bis zu den Providern und deren DNS Updates etliche Stunden dauern. Mal abgesehen von der Rufschädigung wenn statt der bekannten Seite eine BKA Warnung aufleuchtet.
Ob die Provider nun die IP speichern und zur BKA Überprüfung rückmelden will noch niemand sagenFrown
#7 | cr_celle am Mai 06 2009 07:53:24
Ich denke nicht, daß da rechtliche Zwänge zur Meldung forderbar sind. Einstufenzugriff, Linkversand, Fehlermöglichkeit, ... Da wird genau wie bei anderen Fällen Karlsruhe aktiv werden müssen. Mindestens eine Abfrage in der Richtung: Warnhinweis, und den Schaltern Falscheinstufung, Abbruch und Weiter wäre erforderlich. Dann würde Karlsruhe wohl ehr sagen: ok so gehts. Was mir persönlich ehr Sorgen macht ist der Verdacht eines vorauseilenden Gehorsams Seitens der Provider.
#8 | ThrasherHH am Mai 07 2009 18:41:43
Hallo
wer demokratisch sein NO gegen die Internetzensur setzen will, der zeichne hier die Petition: https://epetitionen.bundestag.de/index.php?action=petition;sa=details;petition=3860

Es sind bald 50000 Zeichner zusammen, von einer Regierung sollte man mehr als Populismus vor der Wahl erwarten. Einsatz gegen KiPo ist gefragt, Verfolgung, Aufklärung und nicht Internetzensur und Präkriminalisierung von Webnutzern.
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